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    BEHIND THE BEAT Producer PodcastEpisode #65 mit Katie Tavini – Gutes Mastering braucht große Gefühle

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    Katie Tavini hat an Produktionen mitgearbeitet, die akkumuliert eine Milliarde Mal gestreamt wurden. Ihr Arbeitsalltag aber findet weitab von Stadien, Papparazzi und roten Teppichen statt. Bei ihr dreht sich alles um ein nur scheinbar bescheideneres Ziel: Mit ihrem Beitrag die Musik ein bisschen besser zu machen.

    Tavini ist, wie die meisten in ihrer Spezialisierung über Umwege zum Mastering gekommen. Nach einer frühen Geigenerziehung und einem klassisch orientiertem Studium trat die Band Sonic Boom Six mit dem Wunsch an sie heran, ihre Aufnahmen zu optimieren. Es war der erste von vielen Jobs durch den sie einen intuitiven Zugang zu einer Disziplin entwickelte, die sie gleichermaßen als Handwerk und Kunstform betrachtet.

    Mastering hat zunächst einmal eine technische Komponente. In ihrem intim-kleinen Studio, das von einem hochwertigen PMC-Lautsprecherpaar und einem System mit, unter anderem, einem Kompressor von Iron Mastering, einem Bettermaker Limiter, dem Neve Designs MBT und Lynx Hilo, hat sich Katie das Equipment zu- und zurechtgelegt, mit dem sie tief in den Klang eintauchen und ihn geradezu plastisch formen kann. Steinberg Wavelab dient als umfassende Bearbeitungsbasis und um die verschiedenen Komponenten ihrer Kette zusammenzuführen.

    Gleichzeitig können Hardware und Apps nicht ersetzen, worauf es wirklich ankommt: Empathie für die in der Musik verhandelten Gefühle, kritisches Hören sowie die Fähigkeit, die Elemente eines Songs zu bestimmen, auf die es ankommt. So wird die Arbeit an einem Musikstück zu einer unsichtbaren Kollaboration – manchmal liest sie sich bei der Arbeit tief in die Biographie, Artikel und Interviews ein, um die Gedanken und Geschichten hinter den Sounds besser zu verstehen.

    Es ist dieses tiefe Eintauchen, für das ihre KundInnen sie schätzen – und die erklären, warum ihr scheinbar bescheidener Beitrag über einer Milliarde HörerInnen ganz große Gefühle beschert hat.

    Episode #62 mit Mads Kinnerup

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    Diese Folge widmet sich Mads Kinnerup, der unsere Art Musik zu machen umdenken und die Potentiale von KI allen Kreativen zur Verfügung stellen möchte.

    Für Mads Kinnerup ist Musikmachen stets ein Experiment, ein Portal in die Zukunft. So verbrachte er stundenlange Sessions in den Stockholmer Elektron Studios mit klassischen Buchla-Systemen um seine persönliche Vision eines neuen Kreativansatzes zu realisieren. Auf diesem Ansatz beruhen seine Synthesizer-Alben „Interpolation” und „Invented Mythology”, die mit reduzierten Mitteln epische Klangwelten aufstoßen. Das nächste Werk wird sich mit dem Thema KI auseinandersetzen – und damit politisch werden.

    Dass die Arbeit an dieser Veröffentlichung ganz unmittelbar mit seiner Anstellung als Assistenz-Professor am Kopenhagener Rhyhmic Music Conservatory verzahnt ist, beweist, dass Forschung und Kreativität bei Kinnerup nicht voneinander getrennt werden können. Am RMC entwickelt der dänische Produzent eine Software namens „Rave”, welche die selben Konzepte, die er in Stockholm mühsam händisch an Modularsystemen umsetzen musste, auf eine intuitive Weise erfahr- und spielbar machen soll.

    Das Ziel dahinter: Musik nicht mehr in einzelnen Spuren zu denken, sondern in Klangblöcken, die in ihrer Gesamtheit transformiert werden. Die Bedienung von Rave soll einfach und minimalistisch ausfallen, das Interface so direkt wie ein traditionelles Keyboard bedienbar sein. Doch verbergen sich dahinter Prozesse, deren Komplexität sonst nur von „intelligenten” Modellen beherrschbar wären und die sogar nach vielen Durchführungen eine gewisse Unvorhersehbarkeit behalten.

    Während Kinnerup die Potentiale von KI nicht leugnen mag, ahnt er eine dunkle Zukunft voraus, in der große Konzerne einen unaufholbaren technischen Vorsprung erreichen. Um den Anschluss nicht zu verlieren, müssen sich Musiker auf das besinnen, was sie noch immer besser können als die Maschinen: Einen direkten Kontakt zum Publikum aufbauen, sich in einem inspirierten Moment so unmittelbar wie möglich ausdrücken – und Experimente in erfahrbare Emotionen umzuwandeln.

    Episode #61 mit Mathieu Jaton vom Montreux Jazz Festival

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    Diese Folge widmet sich Mathieu Jaton vom Montreux Jazz Festival, der die ebenso harte wie aufregende Realität des modernen Festivalbetriebs aufdeckt.

    Nomen est Omen? In diesem Fall keineswegs! Schon nach den ersten Ausgaben wollte Gründer Claude Nobs den “Jazz” aus dem Titel seines Festivals streichen. Doch hatten sich alle zu sehr an den elegant von der Zunge gehenden Namen gewöhnt. Und so musste Nobs immer wieder erklären, dass Jazz für ihn ein Anspruch auf Vielfalt und Dynamik sei – keine starre Stilrichtung, deren ständige Weiterentwicklung Puristen am liebsten in den 60ern beendet hätten.

    Nobs war ein genialer Kommunikator, der die Auftritte auf der Bühne als MC selbst ankündigte, unzählige Ikonen mit dem Versprechen der Unsterblichkeit nach Montreux lockte und zum selbstgekochten Abendessen bei ihm zu Hause einlud. So wurde ein Event, das aufgrund der zwar idyllischen, aber logistisch ungünstigen Seelage des Austragungsortes, von Anfang an auf eine verhältnismäßig kleine Besucherzahl beschränkt war, zum vielleicht größten kleinen Festival der Welt. Die Marke indes wurde über hunderte Live-Alben im Katalog der besten Musiker des 20. Jahrhunderts global verankert und verbreitet – Viralität im embryonalen Stadium.

    Freilich kann sich kein Festival auf den Lorberen der Geschichte ausruhen und auch Montreux hat sich, vorbereitet durch Nobs bereits zu Lebenszeiten und dann beschleunigt und mit größerer Intensität nach seinem Tod 2013, immer wieder neu erfinden müssen. Dazu gehört eine breitere musikalische Palette, die inzwischen auch viel Elektronik einschließt, und eine smarte Social-Media-Strategie, die dafür sorgt, dass inzwischen nahezu 365 Tage im Jahr Montreux gefeiert wird. In den USA und China finden zudem Ableger statt, die den ursprünglichen Pioniergeist wieder aufleben lassen und in regem Austausch mit dem Original stehen.

    In unserem Interview mit dem MJF-Leiter Mathieu Jaton wird deutlich, dass sogar renommierte Festivals Alleinstellungsmerkmale brauchen sowie innovative Ideen, mit KünstlerInnnen zu kollaborieren. Der Name allein reicht nicht – das allerdings war gerade in Montreux schon immer klar.

    Episode #60 mit Mareile Heineke von Qobuz

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    Diese Folge widmet sich Mareile Heineke von Qobuz, mit der wir mehr Klarheit und Transparenz über die Themen KI, Katalog, Kreativität und Kuration/Playlisting im Streaming-Bereich schaffen.

    Im Streaming dreht sich alles um Zahlen. Eine davon fiel 2025 besonders auf: 147. Dabei handelt es sich um den prozentualen Zuwachs an NutzerInnen, die der französische Dienst Qobuz in Deutschland verzeichnen konnte. Das Wachstum hierzulande ist kein lokales Phänomen. Auch in den USA darf sich Qobuz über eine wachsende Beliebtheit erfreuen, erhielt Empfehlungen von führenden Influencern und knackte im iOS-Appstore die Top-5. Das kommt zwar noch keiner Revolution gleich – ist aber ein klarer Beleg dafür, dass das Unternehmen viele Dinge richtig macht.

    Auf dem Papier gleichen sich die Streamer immer mehr an. Wie Mareile Heineke von Qobuz betont, sind die Kataloge inzwischen nahezu deckungsgleich,was immerhin den Vorteil hat, dass man sich nicht sorgen muss, beim Wechsel den Zugang zu den eigenen Favoriten zu verlieren. Andererseits hat auch die Konkurrenz endlich den Wert hochauflösender Musik erkannt, obwohl Qobuz ihr auf diesem Gebiet weiterhin mit einigen technischen Innovationen weiterhin voraus bleibt. Was bewegt also so viele, den Marktführern den Rücken zu kehren?

    Für Heineke steht fest: Es ist die Community, die sich hier wieder einstellt. Sie selbst hört noch immer gerne Radio und schätzt die Vorstellung, etwas gleichzeitig mit anderen zu teilen. Qobuz ist in gewisser Weise der Versuch, dieses gemeinschaftliche Gefühl in die digitale Welt zu übertragen: Playlists werden von Musikbegeisterten auf der ganzen Welt zusammengestellt, ein hauseigenes Magazin bietet Artikel, Interviews und Empfehlungen und mit Produkt-Tests und Hifi-Features werden auch Audiophile miteingebunden. Es ist eine vorgelebte Alternative zu einer Welt KI-generierter Tracks, die von anonymen Botfarmen gestreamt werden.

    Mit einigen Initiativen hat Qobuz einen Weg eingeschlagen, der für mehr Transparenz sorgen soll. In diesem Sinne hat Mareile mit uns ein wenig den Schleier darüber gelüftet, wie bei Qobuz der Weg in die Playlists verläuft und warum mehr Menschlichkeit im Streaming ein Plus für alle darstellt.

    Episode #59 mit Kevin von HOFA

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    Diese Folge widmet sich Kevin Kleinschmidt von HOFA, der erklärt, wie man mit der richtigen Raumakustik auch mit einem schmalen Budget mehr aus der eigenen Musik holt.

    “Raumakustik” klingt zunächst einmal deutlich weniger sexy als “Gear-Porn” oder “Produktion”. Dabei lässt sich das Potential dieser Bereiche nur sehr rudimentär ausschöpfen, ohne die Raumakustik des eigenen Studios zu berücksichtigen. Wer sich also fragt, warum der eigene Mix zu Hause satt und druckvoll klingt, im Auto oder Club aber dünn und schwach, sollte sich mit dem Thema unbedingt tiefer befassen.

    Der Aufstieg von HOFA zu einem der führenden Anbieter von Raumakustik beginnt im wahrsten Sinne des Wortes im “underground”. Eine Führung durch das Salzbergwerk Bad Friedrichshall fasziniert den Audio-Engineer Jochen Sachse – alles hier scheint der gängigen Lehrmeinung zu widersprechen: “Die schiere Größe des Bauwerks mit seinen harten, parallelen Steinwänden sowie die augenscheinlich fehlenden Akustikmaßnahmen standen im krassen Widerspruch zur wahrgenommenen Akustik. Mein Klatschen, Schnipsen, Rufen und Pfeifen löste einen angenehm balancierten, faszinierenden Nachhall aus – das hätte ich in so einem Objekt nie vermutet.”

    Bergwerke haben eine “chaotische” Akustik – vielleicht, so Sachse, sollten Studios das auch haben. Doch steckt in dem Chaos natürlich eine Methode. Und genau entlang dieser entscheidenden Grenze verlaufen die Lösungen von HOFA, in denen innovative Materialien auf die Umsetzung physikalischer Erkenntnisse treffen. Raumakustik ist hier weniger trockene Theorie, sondern die Basis für direkt einsatzfähige Produkte wie Basstraps, Akustikgardinen und Diffusoren. Auch hausinterne Software-Lösungen wie Room EQ Wizard und ein eigener DDP-Player fügen sich nahtlos in die Palette ein.

    Wie im Gespräch mit Kevin Kleinschmidt, Leiter für Produktentwicklung, Raumakustikmessung und Beratung, klar wird, darf aber auch eines nicht fehlen: Das ständige genaue Hinhören, das keine noch so genauen Messungen, Modelle und Maßnahmen ersetzen kann. Und das ist, in einer Zeit der Entmystifizierung der Kreativität, irgendwie dann doch recht sexy.

Episode #51 mit Adam Beyer

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Im Behind the Beat-Podcast bittet Tobias Fischer Kreative zum Tiefen-Gespräch. Diese Folge widmet sich Techno-Legende Adam Beyer, der sich mit “Explorer Vol. 1” mit seinem ersten Album in einem Vierteljahrhundert zurückmeldet.

Dass man ihm den Ausverkauf vorwirft, seine neuen Tracks als kommerzielle Massenware beschimpft und den Stil seines Labels Drumcode mit dem unschmeichelhaften Begriff “Yuppie-Techno” versieht – all das ist Adam Beyer längst gewöhnt. Für ihn aber liefern nicht die sozialen Medien die Antwort auf kreative Fragen, sondern immer noch die Clubs. Und die fordern bislang noch immer mehr: mehr von seinen unnachahmlichen DJ-Sets und und dem erkennbaren und sich dennoch beständig wandelnden Sound seiner Artist-Familie.

Beyer ist gewiss nicht der einzige Pionier, der sich im Laufe seiner Karriere kreativ hinterfragt und dafür Kritik eingefangen hat. Wahr ist aber auch: Beyer hat aus seiner Liebe für viele verschiedene Spielarten elektronischer Musik niemals einen Hehl gemacht. Aphex Twins war seine Einstiegsdroge, die Sets von Jeff Mills sorgten für den ersten Rausch und auch die melodischen Spielarten von Trance waren niemals ein Tabu für ihn. Der minimalistische, harte, dunkel-bedrohliche Techno, mit dem sein Aufstieg in den Olymp der Szene begann, war in den frühen Jahren stets in eine Landschaft eingebettet, in der all diese Stilrichtungen gleichberechtigt nebeneinander Platz fanden.

Schon Beyers, “Ignition Key” aus 2002 wagte sich in Soundscape- und Electronica-Bereiche vor, hatte einen schwebenden, sinnlichen Fluss. Auch für “Explorer” nahm er eine Vielzahl Kompositionen auf, die weit über die eng gesteckten Genre-Grenzen hinausgingen. Wie er in unserem Interview berichtet, existiert sogar ein komplettes Parallel-Album mit eher songorientiertem Material, doch entschied er sich im wortwörtlich letzten Moment gegen eine Veröffentlichung.

Trotzdem ist “Explorer” von einer wahren Explosion an Energie gekennzeichnet. Und wie der Zusatz “Vol. 1” bereits andeutet: Diese Reise geht hier nicht zu Ende. Sie hat gerade erst begonnen.

#50 mit Mara Schwerdtfeger

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Im Behind the Beat-Podcast bittet Tobias Fischer Kreative zum Tiefen-Gespräch. Diese Folge widmet sich der Klangkünstlerin Mara Schwerdtfeger und ihrer Arbeit mit dem Serge Modular im Stockholmer EMS Studio: Wie tastet man sich an eines der komplexesten Instrumente aller Zeiten heran?

Der Serge Modular ist nicht einfach nur ein Synthesizer. Er ist ein Kunstwerk und ein Kultobjekt, eine Legende und andauernde Inspiration. Inoffizielle Gebrauchsanleitungen wurden über ihn geschrieben, Bücher über ihn verfasst – und trotzdem ist er noch immer, wie Winston Churchil es einmal über Russland sagte, “ein Rätsel, umgeben von einem Mysterium, das in einem Geheimnis steckt.”

Dabei wollte Serge Tcherepnin, einfach nur eine preiswert-leistungsfähige Alternative zu den dominanten Buchlas und Moogs bauen. Während letztere hochspezialisiert waren, kamen Serge-Systeme schlank und flexibel daher, womit sie im Grunde genommen die Maxime aller Schlafzimmerproduzenten seit den 80ern vorwegnahmen. Massentauglich wurde der Serge trotzdem nicht. Auch, wenn 80er Jahre FM-Synths nur halb so gut klangen und mit einem Bruchteil an Sound-Design-Optionen auskommen mussten, konnte man mit ihnen schneller und einfacher zu Ergebnisse kommen.

Ein Aspekt aber bleibt bis heute faszinierend: Der Gedanke, dass es nicht die individuellen Qualitäten und Funktionen der Module sein sollten, die einen Synthesizer ausmachen, sondern wie diese Module miteinander verknüpft werden. Jeder Quadratzentimeter des Serge bietet nahezu endlose Möglichkeiten, jeder Patch drückt nicht nur eine Sound- und Rhythmuskonstellation aus, sondern ganz unmittelbar die Persönlichkeit des- oder derjenigen, die sie gesteckt hat.

Um den Serge Modular zu spielen, war die australische Klangkünstlerin Mara Schwerdtfeger gerne bereit, den weiten Weg nach Stockholm auf sich zu nehmen. Dort steht in den berühmten EMS Studios eine der wenigen Exemplare, welche der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden. Für sie war das Gerät eine ihrer ersten Modular-Erfahrungen überhaupt und so näherte sie sich ihm wie eine Spielweise an, ohne übertriebene technische Vorbereitungen und aus dem Bauch heraus. Serge Tcherepnin hätte das gewiss gefallen.

#49 mit An On Bast

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Im Behind the Beat-Podcast bittet Tobias Fischer Kreative zum Tiefen-Gespräch. Diese Folge widmet sich der Produzentin und Live-Performerin An On Bast, für die Kontrolle über ihre Kreativität den Kern des Komponierens darstellt – und Modularsysteme die passenden Tools, diese Kontrolle auszuüben.

Elektronische Musik ist: Technologie und Transistoren, Chips und Schaltpläne, In-the-Box vs Outboard, Kabel, Klinken, Kompressoren. Aber sie ist auch: Mysteriös und unfassbar, subtile Schwingung und wuchtige Vibrationen, Ekstase, Empathie und emotionale Elektrizität. So spannend der technische Aspekt auch sein mag, so wird letzteres für Anna Suda immer im Fokus stehen. Tools sind immer nur ein Mittel zum Zweck. Sie dienen dazu, Kreativität freizusetzen, sie real, kontrollierbar und erfahrbar zu machen. Ohne den Funken der Inspiration sind sie, letzten Endes, wertlos.

Diese Einstellung erklärt, warum An On Bast nach vielen Jahren mit Veröffentlichungen auf kleinen, aber feinen Boutique-Labels 2021 von der DJ-Ikone Carl Cox gesignt wurde. Der nämlich war genau zu diesem Zeitpunkt nach einer langen Phase der Sinnsuche auf die Magie des Live-Jammens gestoßen. So gab es viele Parallelen zwischen dem letzten Cox-Werk „Electronic Generations” und dem zeitnah entstandenen, monumentalen An-On-Bast-Doppelalbum „I Create as I Speak”, auf dem Anna ihre HörerInnen in immerhin 18 Tracks und zwei Stunden Musik auf eine farbenfrohe Achterbahnfahrt durch ihre Vorstellungskraft nahm. Sowohl live als auch im Studio tobt sich die polnische Produzentin voll aus, schleckt von vielen Töpfen, ohne sich jemals endgültig festzulegen. Doch sogar, wenn sie wie auf dem nachgeschobenen Album „Nothing Shapes Everything” in tiefe Ambient-Stimmungen eintaucht und die Module kratzen, knistern und schleifen lässt, wirkt all das niemals beliebig.

Was daher rührt, dass Musikmachen bei Anna stets bedeutet: Sich selbst zu erfahren, zu hinterfragen und dabei in Kontakt mit anderen zu kommen. Alleine schon deswegen ist das Spielen fertiger Tracks beim DJing für sie höchstens eine nette Nebenbeschäftigung und niemals kreative Erfüllung. Musik zu machen soll eine Herausforderung bleiben, soll sinnlich sein und sowohl ihr Publikum als auch sie selbst immer wieder neu berühren. Technologie kann vieles – das aber kann sie noch nicht.

#48 mit Kíkẹ́lọmọ Oludemi

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Im Behind the Beat-Podcast bittet Tobias Fischer Kreative zum Tiefen-Gespräch. Diese Folge widmet sich der Britisch-Nigerianischen DJ, Produzentin und Radio-Aktivistin Kíkẹ́lọmọ Oludemi, die in der Dokumentation „We Become One” den Globus bereist, um der tiefen, universellen Wirkung von Musik auf die Schliche zu kommen.

Als Kind wusste Kíkẹ́lọmọ Oludemi lange nicht, was sie werden wollte: Wissenschaftlerin oder Musikerin? In gewisser Weise hat sie sich für beides entschieden. Ihre Arbeit für Technologie-Unternehmen und ihre Karriere als DJ liefen lange parallel, verbanden Tools und Technik mit Imagination und Intuition. Auch auf „We Become One” verbindet sie die beiden Bereiche, macht sie sich auf die Suche nach den offenen und verborgenen Wirkungsweisen von Klang, Rhythmus und Komposition.

Die Arbeit an dem einstündigen Film führte sie quer über den Globus, stets auf der Suche nach Antworten auf die brennende Frage: Warum entwickelt Musik eine derart hypnotische Kraft? Auch wenn hier im Detail wenig wahrhaft Neues diskutiert wird, ist der Mix aus Neurologie, Tanztherapie, Club-Psychologie und künstlerischen Perspektiven in der Summe einzigartig und bietet einen Rundumschlag, der sogar Skeptikern mehrere inspirierende Momente bescheren dürfte.

Es wäre auch ganz und gar nicht Kíkẹ́lọmọs Stil gewesen, die Botschaft des Films zu verwässern oder den Experten in den Interviews nur die Bälle zuzuspielen. In seinen stärksten Momenten tangiert „We Become One” immer wieder politische Themen, zeigt das medizinische Potential von Bewegungen auf, verdeutlicht, warum Beats unser Bewusstsein erweitern und auflösen und sowohl homogene Communities schmieden als auch Menschen mit unterschiedlichsten Hintergründen zusammenführen können.

In diesen Augenblicken zeigt sich Oludemis Erfahrung als Gründerin der in Accra basierten Radiostation Oroko und als Aktivistin. Passenderweise leitet sie nahezu jede Antwort in unserem Interview mit ihr mit den Worten „Das ist jetzt eine umstrittene Aussage” ein. Anders geht es wohl kaum, wenn man in der eigenen Biographie die Konflikte und Synergien zwischen Wissenschaft und Kunst bereits mit sich herumträgt.

#47 mit Michael Begg

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Im Behind the Beat-Podcast bittet Tobias Fischer Kreative zum Tiefen-Gespräch. Diese Folge widmet sich dem schottischen Komponisten und Produzenten Michael Begg und seiner Reise in die Arktis, wo er Schrecken und Schönheit von Kontinent und Klimawandel klanglich einfing.

Auf einer Welt, in der inzwischen nahezu jeder Winkel erforscht und kommerziell ausgeschlachtet ist, bildet die Antarktis eine der letzten verbliebenen Oasen. Als sich die Gelegenheit ergab, für das Scott Polar Research Institute eine Residency am Südpol zu absolvieren, musste Michael Begg nicht zwei Mal nachdenken: “Wer würde nicht die Chance ergreifen, etwas zu erleben, das so weit außerhalb des Gewöhnlichen liegt, so weit weg von unserer alltäglichen Erfahrung, so extrem?”.

Die Residency führte ihn entlang der Küste zu verschiedenen Orten, an denen er Field Recordings aufnahm, mit Wissenschaftlern sprach und seine Aufnahmen bereits vor Ort in eine musikalische Form brachte. Dabei ergaben sich gerade aus Recording-Perspektive eine Vielzahl von Herausforderungen: Der Zeitdruck, die Kälte, und vor allem der ständige Wind.

#46 mit Ziggy Zeitgeist

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Im Behind the Beat-Podcast bittet Tobias Fischer Kreative zum Tiefen-Gespräch. Diese Folge widmet sich dem in Berlin lebenden Schlagzeuger Ziggy Zeitgeist, der auf dem Doppelalbum „INSPIRE // RADICALISE” den Dancefloor mit Jazz, Beats und einer feinen Prise psychedelischer Power zum Kochen bringt.

Drummer haben eine natürliche Verbindung zum Dancefloor. Bei Ziggy Zeitgeist aber geht der Bezug zum Beat noch tiefer. Auf dem neuen Album des FEE-Kollektifs, auf dem sich noch 13 weitere MusikernInnen tummeln, ist der Körper nur das Portal zu kreativer Inspiration, der Rhythmus ein Aufruf zur Revolution. Und so bleibt der Puls im Laufe dieses episch-ausufernden, jegliche Stilgrenzen sprengenden Werks nur sehr selten im Ruhebereich – ein Ultra-High Intensity Training für Ohren und Beine sozusagen.

Als Zeitmaschine angelegt transportiert „INSPIRE // RADICALISE” sein Publikum zurück in die faszinierende Phase zwischen den 70ern und 80ern, als Funk, Disco, Electro und früher House die Clubs elektrisierten, und beleuchtet sie aus dem Blickwinkel moderner Technologien und einer dem Jazz entlehnten Dringlichkeit neu. Ziggy arbeitet immer wieder auch als DJ und sein Geschick im Aufbauen fesselnder Flows hält diese 18 Tracks, die gelegentlich auch noch in psychedelischen- oder krautig angehauchten Rock übergehen, zusammen.

Das klingt angesichts der oftmals erzkonservativen Jazz-Szene fast wie ein Widerspruch in sich. In Wahrheit aber war Jazz in seinen frühen Jahren vor allem Tanzmusik. Gespielt in verschwitzten Clubs, vor einem euphorischem Publikum. Laut, lasziv und mit nur einem einzigen Ziel: Ekstase. Das ist der Jazz, den Freedom Energy Exchange spielen – stets angestachelt von Ziggys unwiderstehlichen Grooves.

In gewisser Weise fangen sie damit die frühen Erfahrungen Ziggys bei Open-Air-Raves im australischen Hinterland ein, bei denen Musik mit der Umgebung verschmolz, sich aus der Natur speiste und wieder in sie zurückfloss. Es waren spirituelle Erfahrungen, zugleich aber eine Chance zum Ausrasten. Das ist überhaupt die zentrale Botschaft von „INSPIRE // RADICALISE”: Wahre Veränderungen sind die Folge von Leidenschaft – und der Weg zur Revolution geht über das Herz.

#45 mit mit Cora Novoa

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Im Behind the Beat-Podcast bittet Tobias Fischer Kreative zum Tiefen-Gespräch. Diese Folge widmet sich der spanischen Produzentin, DJ und Label-gründerin Cora Novoa, die sich auf der ständigen Suche nach dem Gesamtkunstwerk befindet.

Im Oktober 2024 brach über Ostspanien und Valencia ein apokalyptischer Regen herein. An einem einzigen Tag fiel so viel Wasser vom Himmel wie innerhalb eines durchschnittlichen Jahres. 232 Menschen kamen um, viele Zehntausende mussten gerettet werden. Globale Klimaveränderungen trugen zu dem Ausmaß der Katastrophe bei, doch das Versagen war politisch – nur ein Jahr zuvor hatte die Regierung der Gegend das Frühwarmsystem für unnötig erklärt, Interventionen eines Metereologen wurden ignoriert.

Zum Zeitpunkt der Flut hatte Cora Novoa ihre neue EP „This is not about you and me. This is about us“ bereits fertiggestellt. Trotzdem wirkte sie wie ein direkter Kommentar zu den Ereignissen – und das nicht nur, weil Novoa sich sehr eng mit Valencia verbunden fühlt. Die Veröffentlichung nämlich ist der letzte Teil einer Trilogie, die sich mit den Auswirkungen der Digitalisierung auf Menschlichkeit, Verlust und Schmerz sowie unseren Sinn für Gemeinschaft beschäftigt. Jede EP ist eine Sammlung von Tagebucheinträgen, in denen sich Novoa mit aktuellen Themen auseinandersetzt, das Persönliche im Universellen sucht und vom Privaten ins Öffentliche vorstößt.

Dieses Arbeiten mit Konzepten gehörte für Novoa von Anfang an zum Musikmachen mit dazu. Tief durchdachte Cover-Designs, Mode, Events – alles verbindet sich zu Gesamtkunstwerken, die Fragen stellen und Fakten liefern. Wenn das nach Avantgarde, Verkopftheit und schwierigem Entertainment klingt, wäre das aber ein falscher Eindruck. Auch, wenn jede der drei EPs mit einer ganz eigenen stilistischen Sprache aufwartet – von Gothic und Dark Ambient bis hin zu ätherischer Electronica und lupenreinem Techno – bringt doch jede von ihnen immer zuerst den Körper in Bewegung.

Es ist eine Extase, die tatsächlich das Ich und das Du aufhebt und stattdessen das Wir betont. Und bei aller Dunkelheit ist es eine Musik der Hoffnung – sogar in dieser finsteren Stunde war es letzten Endes die Hilsbereitschaft der lokalen Gemeinschaft, die man nach der Flutkatastrophe vor allem in Erinnerung behalten wird.

#44 mit Lewitt Audio

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Im Behind the Beat-Podcast bittet Tobias Fischer Kreative zum Tiefen-Gespräch. Diese Folge widmet sich dem österreichischen Senkrechstarter-Unternehmen Lewitt und seiner Mission, das Mikrophon von der Pike auf neu zu denken.

SängerInnen und PodcasterInnen werden es bestätigen: Das Mikrophon, das die eigene Stimme optimal zur Geltung bringt, ist wie ein Freund oder eine Freundin fürs Leben. Die Suche danach aber gestaltet sich alleine schon aufgrund der kaum zu überblickenden Auswahl als schwierig – und sie wird mit jeder Welle neuer Produkte komplizierter. Somit war Roman Perschon von Anfang an klar, dass er sich mit der Gründung von Lewitt keine einfache Aufgabe gestellt hatte: Der Kuchen schien verteilt, die Technik ausgelotet, die etablierten Hersteller hatten es sich auf ihren Lorbeeren bequem gemacht.

Doch waren es, wie Perschon zurecht erkannte, Lorbeeren, die vor allem auf Nostalgie beruhten, auf einem vertrauten Sound, der sich an der Vergangenheit orientierte. Lewitt hingegen sollte keine weitere Retro-Marke sein. Das Vergessen wurde zum Ausgangspunkt, das Entdecken zum Prinzip, die Zukunft zum Ziel. Man wollte das Mikrophon von Grund auf neu konzipieren, mit neuer Technik, neuen Materialien und vor allem: neuen Ideen.

Der letztgenannte Punkt kann kaum genug betont werden. Denn guter Klang entsteht nicht nur in der Kapsel. Auch das Vermeiden von Nebengeräuschen oder anderen Störfaktoren kann einen entscheidenden Einfluss ausüben. Im aktuellen Highlight, dem Lewitt Ray, steuert ein eigens entwickelter Sensor die analogen Schaltkreise, um Lautstärke und Klang spontan auf eine kalibrierte Reaktion anzupassen. Einfacher gesagt: Bewegungen und Positionswechsel haben keinen Einfluss auf die Lautstärke des Signals mehr – der Autofocus des Mikrophons kompensiert die Entfernungs- und Richtungsveränderungen in Echtzeit.

Wie Lewitts Head of Product & Marketing Moritz Lochner in unserem Gespräch darlegt, gehen technologische Fortschritte dabei immer Hand in Hand mit emotionalen Faktoren. Denn auch, wie sich ein Mikrophon anfühlt und wie es aussieht, kann einen Einfluss auf die Performance ausüben – und die ist im Zweifelsfall immer noch das Wichtigste.

#43 mit Purple Disco Machine

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Im Behind the Beat-Podcast bittet Tobias Fischer Kreative zum Tiefen-Gespräch. Diese Folge widmet sich Tino Piontek alias Purple Disco Machine, der sich auf seinem neuen Album mit retrofuturistischen NeoDisco auf die Suche nach dem Paradies macht.

Disco ist wohl kaum das Genre, was man sich als ProduzentIn aussucht, wenn man nach Respekt lechzt. Aus Wut über die gute Laune, die diese Musik verbreitet, sprengten Rock-Fans 1979 in der Disco Demolition Night sogar Disco-Platten in die Luft. Heute ist die Szene vielleicht lebendiger denn – gilt vielen aber immer noch als kommerziell und oberflächlich.

Timo Piontek kümmert das nicht. In den vermeintlichen Schwächen von Disco sieht er die Stärke dieser Musik: Der Dancefloor als ein Ort zum Sichgehenlassen, die Beats als ein Tor in eine bessere Welt, die augenscheinlich einfachen Texte als eine Beschwörung dessen, was uns verbindet. Und so hat er sein drittes Album – den Nachfolger des internationalen Durchbruchs „Exotica”, das ihm einen Grammy bescherte sowie Remixaufträge von Kylie, Gaga und Dua Lipa – als Konzeptalbum angelegt: Als eine Reise ins Paradies.

In Sachen Songwriting stellt das Album einen Umbruch dar. Statt sich im Studio hinter seinem beeindruckenden Gerätepark zu verschanzen, lud Tino persönliche Favoriten wie Metronomy und die Funklegende Nile Rodgers ein und erneuerte die Kollaboration mit Indie-Rock-Sängerin Sophie and the Giants, mit der er bereits den Überhit „Hypnotized” aufgenommen hatte. Die Gästevielfalt bereichert den Purple-Disco-Machine-Kosmos ungemein, während sich Tino in den Arrangements kosmischer denn je gibt und vor allem als Sound Designer gewachsen ist. Das siebenminütige „Paradisco” klingt wie ein Traum aus Yello, Fusion-Jazz und einer Zeitlupenversion von Donna Summers „I need Love”.

Es sind magische Momente wie diese, die den schwedische Disco-Produzenten Martin Brodin mir gegenüber zu der Aussage verleiteten, es gebe genau zwei Künstler, „die den klassischen Sound zelebrieren und ihn zugleich nach vorne bringen: Purple Disco Machine und Todd Terje.” Das ist dann wohl genau der verdiente Respekt, der Disco als Genre noch immer verweigert wird – und den sich Tino Piontek immer wieder zurecht verdient.

#42 mit Kruder & Dorfmeister

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Die „K&D Sessions“, 1998 erschienen, sind nicht einfach irgendein Remix-Album. Mit einer Million verkaufter Einheiten ist es eines der ­meistverkauften Werke seiner Art. Auf Tour bringen Peter Kruder und Richard Dorfmeister die Stücke nun mit Live-Musikern auf die Bühne – in einer ­prachtvollen Remaster-Box mit Bonusmaterial erklingen sie in neuem Glanz. Das ist keineswegs überzogen  – künstlerisch gesehen markieren die „K&D Sessions“ vielleicht den Gipfel der Remix-Kultur..